LG OLED EAY65689411 / 423 / 422 / 425: CARLI 820 nF, MOSFET-Ausfall und defekter MD6752 – DVCC-Kurzschluss als Schlüssel zur Diagnose
Ausgangssituation
Bei den LG-OLED-Netzteilen der Baureihe EAY65689411, EAY65689423, EAY65689422 und EAY65689425 kommt unter anderem der Sanken-Controller MD6752 zum Einsatz. Bei einem aktuellen Reparaturfall zeigte sich ein zunächst etwas undurchsichtiges Fehlerbild: Die primäre Hilfsspannung war vorhanden, der Controller schien aber nicht richtig zu starten, und das Netzteil blieb praktisch ohne Funktion.
Der entscheidende Fehler stellte sich schließlich als interner Defekt des MD6752 heraus. Besonders hilfreich war dabei eine einfache Widerstandsmessung zwischen DVCC und GND — doch bevor der Controller in den Fokus rückte, hatte auch dieser Fall bereits eine Vorgeschichte, die sich in mehreren Reparaturen dieser Baureihe wiederholt hat (dazu mehr weiter unten).
Das Netzteil zeigte keine normale Startsequenz. Am VCC-Pin des MD6752 war durchaus Spannung vorhanden. Gemessen wurden zunächst etwa 12,7 V, nach etwas Wartezeit stieg die Spannung langsam auf ungefähr 13,2 V. Zunächst lag deshalb die Vermutung nahe, dass die VCC-Versorgung zu niedrig sei und der MD6752 seine Startschwelle nicht erreicht.
Auch die Messung vor einer Diode im VCC-Pfad führte zunächst in diese Richtung: vor der Diode etwa 14,2 V, nach der Diode/VCC etwa 13,2 V — ein Spannungsabfall von rund 0,98 V. Relativ hoch, aber noch nicht eindeutig fehlerhaft.
Der Vergleich mit einem funktionierenden Netzteil brachte dann eine wichtige Erkenntnis: Auch dort lagen im Betrieb am VCC des MD6752 lediglich etwa 12,3 V an. Damit war klar: Die gemessenen 12–13 V an VCC waren nicht die eigentliche Ursache. Der MD6752 benötigt zwar beim Start eine höhere Spannung, kann nach erfolgtem Start aufgrund seiner UVLO-Hysterese aber auch mit einer deutlich niedrigeren VCC-Spannung weiterarbeiten.
Die internen Versorgungsspannungen sahen nicht gut aus
Interessanter wurden die Messungen an den internen Versorgungspins des Controllers. Diese Werte zeigten ziemlich deutlich, dass der Controller nicht sauber hochgefahren war. AVCC und DVCC sollten im normalen Betriebszustand im Bereich von etwa 3,3 V liegen, VCORE sollte ungefähr 1,8 V erreichen. Stattdessen waren praktisch alle internen Versorgungsspannungen zusammengebrochen.
Zunächst hätte man hier noch einen externen Fehler vermuten können — beispielsweise einen defekten Transistor, Kondensator oder eine fehlerhafte Versorgung rund um den MD6752. Dann kam jedoch die entscheidende Messung.
| Pin | Messwert (defektes Board) |
|---|---|
| VCC — Pin 6 | ca. 12,7–13,2 V |
| BASE — Pin 7 | 0 V |
| AVCC — Pin 9 | ca. 1,7 V |
| DVCC — Pin 10 | ca. 1,0 V |
| VCORE — Pin 16 | ca. 0,17 V |
| VSEN | ca. 0,2 V |
Der Schlüssel: DVCC gegen GND messen
Das Netzteil wurde vollständig stromlos gemacht und die Kondensatoren entladen. Anschließend wurde der Widerstand zwischen MD6752 Pin 10 (DVCC) und MD6752 Pin 8 (GND) gemessen.
Das Ergebnis auf dem defekten Board: nur ungefähr 7 Ω. Das war extrem verdächtig. Zum Vergleich wurde dieselbe Messung auf einem funktionierenden Netzteil durchgeführt — dort lag der Widerstand im Megaohm-Bereich. Damit war klar: Auf der DVCC-Schiene des defekten Boards befand sich ein massiver niederohmiger Pfad nach GND.
| Messung | Defektes Board | Funktionierendes Board |
|---|---|---|
| DVCC (Pin 10) → GND (Pin 8) | ca. 7 Ω | Megaohm-Bereich |
Ist vielleicht nur der DVCC-Kondensator defekt?
Direkt an DVCC befindet sich ein kleiner Abblockkondensator. Gerade MLCC-Keramikkondensatoren können intern kurzschließen und dadurch eine Versorgungsschiene praktisch komplett nach Masse ziehen. Deshalb wurde der Kondensator ausgelötet und anschließend erneut DVCC → GND gemessen.
Doch der Kurzschluss blieb bestehen. Damit war der externe Kondensator als Ursache praktisch ausgeschlossen. Der niederohmige Pfad musste entweder über ein weiteres Bauteil auf der DVCC-Schiene oder intern durch den MD6752 selbst entstehen. Da die Vergleichsmessungen zu einem funktionierenden Board hier einen so deutlichen Unterschied zeigten, fiel der Verdacht sehr stark auf den Controller.
MD6752 ersetzt – Fehler behoben
Der Sanken MD6752 wurde ausgetauscht. Danach war der Kurzschluss zwischen DVCC und GND verschwunden, und das Netzteil funktionierte wieder.
Damit war die Diagnose bestätigt: Der MD6752 hatte einen internen Defekt auf seiner DVCC-Versorgung und zog die 3,3-V-Digitalschiene nieder. Die zu niedrigen Messwerte an AVCC, DVCC und VCORE waren somit nicht verschiedene Einzelprobleme, sondern Folgen desselben Controllerdefekts.
Warum dieser Fehler leicht in die falsche Richtung führt
Besonders interessant an diesem Fall ist, dass die VCC-Spannung zunächst sehr verdächtig aussah. 12,7 bis 13,2 V können beim MD6752 zunächst so wirken, als würde lediglich die externe VCC-Versorgung nicht hoch genug kommen. Tatsächlich zeigte der Vergleich mit einem funktionierenden Board aber, dass dort im laufenden Zustand sogar nur etwa 12,3 V vorhanden waren.
Man hätte also viel Zeit mit der VCC-Diode, der Hilfsversorgung, Widerständen oder dem VSEN-Pfad verbringen können. Erst die Widerstandsmessung der internen Versorgungsschienen brachte Klarheit.
Wiederkehrendes Schadensbild: CARLI 820 nF → MOSFET-Schaden → MD6752
Bei mehreren dieser LG-OLED-Netzteile zeigte sich vor dem eigentlichen Controllerdefekt immer dasselbe auffällige Muster: Ein CARLI-Folienkondensator mit 820 nF war deutlich schwächer geworden. Anschließend waren die zugehörigen Leistungs-MOSFETs ausgefallen bzw. geplatzt. Erst nach dem Austausch der offensichtlich defekten Leistungskomponenten zeigte sich teilweise noch ein weiterer Folgeschaden: Der Sanken MD6752 startete nicht mehr korrekt — genau das Bild, das oben im Detail beschrieben wurde.
Wichtig ist dabei die Formulierung „möglicher Folgeschaden": Aus den Reparaturfällen lässt sich sehr deutlich ein wiederkehrender Zusammenhang erkennen. Ohne eine Aufzeichnung der Signale genau während des Ausfalls lässt sich jedoch nicht zweifelsfrei beweisen, ob der schwache 820-nF-Kondensator allein den MOSFET-Ausfall verursacht oder noch weitere Alterungseffekte beteiligt sind. Für die praktische Reparatur ist dieses Muster trotzdem sehr wertvoll.
- CARLI 820 nF verliert Kapazität
- Resonanz-/Leistungsstufe arbeitet außerhalb ihres vorgesehenen Arbeitspunktes
- höhere Belastung der Leistungs-MOSFETs
- MOSFET-Ausfall
- möglicher elektrischer Rückschlag in Treiber-/Controllerbeschaltung
- MD6752 wird mitgeschädigt
- DVCC intern niederohmig
- Controller startet nicht mehr
Deshalb nicht nur die geplatzten MOSFETs ersetzen
Wer bei einem EAY65689411 / EAY65689423 / EAY65689422 / EAY65689425 lediglich die ausgefallenen MOSFETs ersetzt, sollte unbedingt auch die CARLI-820-nF-Folienkondensatoren messen. Ein Kondensator kann äußerlich völlig unauffällig aussehen und trotzdem bereits erheblich an Kapazität verloren haben.
Werden neue MOSFETs eingebaut, während ein deutlich geschwächter Kondensator im Leistungs-/Resonanzpfad verbleibt, besteht das Risiko, dass die eigentliche Ursache des Ausfalls nicht beseitigt wurde. Gerade die abschließende DVCC-Messung ist wichtig, denn ein beschädigter MD6752 muss äußerlich keinerlei Spuren zeigen.
- CARLI 820 nF auf tatsächliche Kapazität prüfen
- Leistungs-MOSFETs prüfen
- Gate-Widerstände und Treiberbeschaltung prüfen
- anschließend DVCC → GND am MD6752 messen
Schneller Diagnoseweg bei MD6752-Netzteilen
Bei einem EAY656894xx-Netzteil mit MD6752, das überhaupt nicht startet oder keine Gate-Ansteuerung erzeugt, würde ich inzwischen folgende Reihenfolge empfehlen:
- Netzteil stromlos machen und Elkos sicher entladen
- CARLI 820 nF und die Leistungs-MOSFETs prüfen — schwacher Kondensator und MOSFET-Schaden treten in dieser Baureihe häufig gemeinsam auf
- DVCC (Pin 10) → GND (Pin 8) messen und mit einem funktionierenden Board vergleichen — wenige Ohm sind hochverdächtig, ein gutes Board liegt im Megaohm-Bereich
- ebenso AVCC → GND und VCORE → GND vergleichen
- bei niederohmigem DVCC zuerst den Abblockkondensator auf dieser Schiene entfernen bzw. isolieren
- bleibt der Kurzschluss danach bestehen, wird der MD6752 selbst sehr verdächtig
- erst danach lohnt es sich, tiefer in VSEN, Feedback, PFC oder LLC-Regelung einzusteigen
Fazit
Bei diesem LG-OLED-Netzteil war nicht die vermeintlich niedrige VCC-Spannung die eigentliche Ursache, sondern ein interner Kurzschluss im Sanken MD6752 — meist als Folgeschaden einer Kette, die mit einem geschwächten CARLI-820-nF-Kondensator und dem Ausfall der Leistungs-MOSFETs beginnt.
Die wichtigste Messung des gesamten Reparaturfalls war erstaunlich simpel: DVCC gegen GND — defektes Board wenige Ohm, funktionierendes Board Megaohm. Nach dem Entfernen des DVCC-Abblockkondensators blieb der Kurzschluss bestehen; der Austausch des MD6752 beseitigte den Fehler vollständig.
Gerade bei den Netzteilen EAY65689411, EAY65689423, EAY65689422 und EAY65689425 lohnt es sich deshalb, bei einem scheinbar „toten" MD6752 sehr früh die internen Versorgungsschienen auf Kurzschluss zu prüfen — und bei einem vorangegangenen MOSFET-Tausch zusätzlich die CARLI-820-nF-Kondensatoren nicht zu übersehen. Eine Widerstandsmessung an Pin 10 kann hier erheblich schneller zum Ziel führen als eine lange Suche in der eigentlichen LLC- oder Feedback-Schaltung.
Sicherheitshinweis
Sämtliche genannten Messungen befinden sich teilweise auf der Primärseite eines netzbetriebenen Schaltnetzteils. Widerstands- und Diodenmessungen ausschließlich bei gezogenem Netzstecker und sicher entladenen Hochvolt-Elkos durchführen. Bei Spannungsmessungen ist Pin 8 des MD6752 Primary-GND; dieser darf nicht mit Secondary-GND bzw. Mainboard-GND verwechselt werden.
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